Archiv für die Kategorie ‘Franken früher’

Spaghetti aus der Pfanne

Sonntag, 08. Januar 2012

Vor ein paar Tagen hat mir der Sohn wieder mal beim Kochen über die Schulter geschaut. Als angehender Mann drehen sich unsere Dialoge eigentlich nur noch ums Essen.

Er beobachtete wie ich erkaltete Spaghetti in die heiße Pfanne tat. Er schlug vor die Mikrowelle dafür zu benutzen. Dann erklärte ich ihm erstmal, dass dies ein Pfannengericht (Restlesessen) sei und aus der fränkischen Heimat stamme. Aus der Pfanne schmeckt es am besten – knusprige Spaghetti mit Frühstücksspeck.

Gebratene Spagetti mit Speck

Jedenfalls schaute er mir über die Schulter. Ich weiß eigentlich gar nicht wie er es in die Küche schaffte -wahrscheinlich kam der Geruch von gebratenem Speck durchs Schlüsselloch in seine Nase und lockte ihn heraus. Normalerweise sogar, wenn ich an seinem Zimmer vorbeigehe, mache ich das ganz heimlich und leise. Sobald er meine Schritte hört, geht sonst die Tür auf und eine Stimme kommt heraus, “Mama, wann gibt’s Essen?”. OK, ich muss fair sein, manchmal variieren auch die Fragen, so wie “Um wieviel Uhr essen wir?”, “Was gibt es zu essen?”, “Können wir bei der Pizzeria bestellen?” usw.

Reste von Spaghetti wurden früher immer angebraten nach alt fränkischer Art. So machte es auch meine Mutter, da es ja keine Mikrowelle gab. Eine Mikrowelle hätte es auch nicht anbraten können, so schön braun und knusprig.

Immer wenn ich etwas zubereite, was er noch nicht kennt, meint er, es wäre Fränkisch. Die Mutter gräbt jetzt ihre alten Geheimnisse aus… Aber schmecken tut’s ihm alle Weile.

Meine Mutter bekam ihren ersten Mikrowellenherd in 1985. Wir fünf Geschwister hatten zusammengelegt um dieses damalige Wunderwerk für 900 DM zu ihrem Geburtstag zu kaufen.

Die Mutter hat die Mikrowelle nie zum Kochen oder Erwärmen benutzt, nur für eine einzige Sache… Mein Vater zog den Schluss: “Dess woar die deuerste Küchenuhr, die mer je gekäfft hamm.”

 

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Die Kinderhexe – Historischer Roman mit Schauplatz Würzburg

Samstag, 03. Dezember 2011

“Die Kinderhexe” von Roman Rausch erzählt vom Leben und Tod, der Macht der Religion und dem Übel der Hexenverbrennungen im frühen 17. Jahrhundert, welches dann später auch Kinder betraf.

Die Geschichte von Kathi spielt im fränkischen Würzburg. Schon als 10-Jährige muss sie wie alle anderen Kinder, unter schlimmsten Voraussetzungen und Lehrherren, einen Beruf erlernen, nur um das tägliche Brot zu sichern. Als dann ihre Hebamme und treueste Gefährtin Babette als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird, unternimmt Kathi etwas Waghalsiges.

Ihrem Rachezug schliessen sich noch mehrere Kinder an und zum Schluss ist keiner mehr sicher vor Lügen, Verrat, Verleumdung, Folterkammer und Hexenverbrennung.

Die bischöflichen Anweisungen zur Hexenkommission gehen vom hiesigen Oberhaupt der Kirche aus. Auf Teufel komm raus soll jedem, der in Verdacht zum Teufel steht, der Garaus gemacht werden.

Die damalige Kirche regiert durch Habgier. Manche Foltermethoden werden erläutert. Die Thematik ist manchmal etwas schauerlich, aber Roman Rausch weiß, wie man das zu erzählen hat.

Da die Kinderhexe ein historischer Roman ist kann es für den Leser etwas schwierig  Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Die Geschichte um Kathi ist ausgedacht, während der geographische Hintergrund und das Leben und Leiden der Bürger von damals realitätsnah dargestellt ist. Stellenweise ist der Roman ein sehr empfehlenswertes Begleitmaterial auch zum Geschichtsunterricht der Sekundär Stufe wenn es z.B. um die Augsburger Kinderhexenverbrennungen geht.

Die Handlung ist gezeitenlos. Das heißt, es gibt kein Gefühl für die Jahreszeiten oder wie schnell oder lang sich die Geschichte hinzieht. Der Schauplatz im fränkischen Main Tal ist durchgehend von einem grauen Faden (in Anbetracht auf die Unwetter) geprägt. Auf den letzten paar Seiten erfährt der Leser zum ersten Mal von Sonnenschein.

Man sieht anhand der Geschehnisse wie menschlich, als auch wie  unmenschlich das Leben schon damals war. Der Leser hofft im Namen der Kinder bis zum Schluss auf eine bessere Zukunft.

Das Thema allein hat meine Interesse geweckt und der Schreibstil von Roman Rauschs ist so überzeugend, dass der Leser sich somit, angesichts der Widerlichkeiten, auf diese Stellen vorbereiten sollte.

Die Kinderhexe ist sehr zu empfehlen – und nicht nur den Freunden aus Franken. Würzburger kennen den Sanderanger, den Schauplatz der Hexenverbrennungen, heute als Sportplatz Sanderrasen .

Als Kindle Edition oder Taschenbuch ist es hier erhältlich.

Für die sogenannte Kilian-Trilogie erhielt Roman Rausch 2002 auf der Leipziger Buchmesse den Books on Demand-Autoren Award.

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Die Turmuhren einer Reichsstadt

Donnerstag, 29. September 2011

Von der Gruppe Du weisst, Du bist aus Schweinfurt, wenn… auf Facebook lernt man einiges.

Geschichte wird wieder interessanter, Gemeinsamkeiten werden gefunden, und alles Wissen was als Kind links reinging und rechts wieder rauskam, bleibt jetzt mittlerweile hängen.

Die folgende Liste zeigt die genaue Aufteilung des Schlagens der Turmuhren.

Das Wahrzeichen der Reichsstadt Schweinfurt

 (Mit freundlicher Genehmigung von Rudolf Kalus)

Das Wahrzeichen bestand darin, dass bis 1803 alle Turmuhren der Reichsstadt insgesamt 100 mal um 12 Uhr schlugen. Die Uhr der Salvatorkirche wurde erst 1803 in Betrieb genommen und wurde mit folgendem Vers versehen:

Seht, Bürger, so ändert sich das Spiel in unseren Tagen,

Reichsfreie Bürger bauten mich und bayrisch muss ich schlagen.

Vom 12. Jahrhundert bis 1802 war Schweinfurt eine Reichsstadt. 1803 wurde Schweinfurt bayrisch.

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Die Maria war die Dickste

Montag, 19. September 2011

Hier teile ich mal ein Bild aus meiner Babyzeit mit Euch.

Wie die Mutter immer sagte, ” Die Maria war die dickste.” Dann wird man auch gleich erkennen wo ich im Bild saß. Wahrscheinlich habe ich gerade einen Grashalm im Mund.

Fränkische Babes aus den 60ern

Aufgenommen in Hambach (?) im Sommer 1961. Meine Schwester Waltraud musste uns den Rücken halten damit wir nicht nach hinten kippten.

Und wir waren alle schön in weiß angezogen. War wahrscheinlich am Feiertag Maria Himmelfahrt aufgenommen. Nur gut, dass ein Onkel so modern war und schon eine Kamera hatte.

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Fränkische Umgangssprache

Freitag, 13. Mai 2011

Heute gibt es mal eine Liste von Ausdrücken wie man sich auf Fränkisch Luft machen kann.

Mit diesen Ausdrücken im Umfeld bin ich groß geworden. Wer im Fränkischen nett sein wollte, sagte nichts (meine Mutter behauptete immer für nette Worte gäbe es keine Zeit). Die viele schwere Bauernarbeit bestimmte den Ton und die Wortwahl.

Da das Fränkische eher von Grobheiten in der Umgangssprache durchzogen ist, kann man wirklich davon ausgehen, dass es im früheren Bauernleben wenig Zeit für liebe Worte gab, dafür aber kräftige Ausdrücke zum Antreiben, Vertreiben und Austreiben.

* Rutsch mir ‘n’ Buckl noo!

Deine Wünsche gehen mich nichts an.

* Hol dich der Deifel!

Jemand anders soll sich von nun an um deine Wünsche kümmern.

* Scher dich zum Deifel!

Schau wie du alleine zum Teufel bzw. nach Hause findest.

* Dir had doch enner ‘nein Hirn g’schissen!

Du machst Dich mit dieser Aussage lächerlich.

* Griechsd gleich a Schell’n!

Du bekommst gleich eine Backpfeife, wenn du damit nicht aufhörst.

* Mach ned so ä G’schiss!

Stell dich nicht so an!

Wer noch welche dazu setzen möchte – bitte hierfür die Kommentarfunktion benutzen.

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